Was ist  (tiefenpsychologische) Psychotherapie?

 

Nach der jüngsten Entscheidung des Wissenschaftlichen Beirates (2003) ist die Tiefenpsychologie - genauso wie die Psychoanalyse - ein „Psychodynamisches Verfahren“ (=Oberbegriff). Im Zentrum des Krankheitsverständnisses steht das psychodynamische Kräftespiel. Die Phänomene Übertragung, Widerstand und Regression sind für beide Verfahren bedeutsam, aber der Umgang damit unterscheidet sich.

Die heutige Tiefenpsychologie hat psychoanalytische und humanistische Methoden und Vorstellungen verschmolzen, sie hat auch gelegentlich verhaltenstherapeutische Elemente integriert, und hat dabei insgesamt ein eigenes Profil mit erhöhter Wirksamkeit entwickelt.

Der Deutsche Fachverband für Tiefenpsychologie (DFT e.V.) beschreibt seine Vorgehensweise wie folgt:

  • gemeinsame Erarbeitung von intersubjektiven Zielen, Rahmen und Methode
  • fokussierte Übertragungs- und Widerstandsanalyse
  • gezielte, begrenzte Regression
  • entwicklungsbezogene und entwicklungsfördernde Gestaltung der Interventionen und des therapeutischen Raumes, variables Setting
  • multimodaler Zugang zu unbewussten Prozessen - auch über andere als verbale Kommunikationsformen; Nutzung von Inszenierungen
  • ressourcenmobilisierende und handlungsaktivierende Interventionen
  • Anregung und Förderung neuer, emotionaler Erfahrungen in der therapeutischen Beziehung durch Betonung des „therapeutischen Erlebnisses“

 

In die Tiefenpsychologie sind viele Einflüsse direkt aus der Psychoanalyse, aber auch aus dem tiefenpsychologisch- voranalytischen Gedankengut, den psychoanalytischen Folgeschulen, auch aus deren kritisierenden Weiterentwicklungen ein- und zurückgeflossen, ferner sind der jeweils sich wandelnde Zeitgeist sowie bewährte Neu-Entwürfe eingegangen.

Tiefenpsychologie ist ein facettenreiches Kondensat, dessen Entwicklungstrend in erster Linie von der Evidenz und Bewährung in der Praxis abhängt, also durch ein selbststeuerndes Prinzip gestaltet wird.